Diabetes bei Kindern – Wie können Eltern den Geschwisterkindern gerecht werden?

Mit diesem spannenden Thema befasste sich Dr. Berthold Maier, Diplompsychologe, am 22. Oktober in unserem Webinar für Familien. Er referierte vor 24 Familien und ging auf die Fragen der Teilnehmenden ein.

Herr Dr. Maier sitzt auf einer Couch, schreibt etwas und schaut in die Kamera

Dr. Berthold Maier, Diplompsychologe (Foto: Michael Pogoda)

Sowohl älteren als auch jüngeren Geschwister gilt es gerecht zu werden

In seinem Vortrag hob er hervor, wie wichtig das Einbeziehen der Geschwisterkinder ist und verwies auf zentrale Faktoren wie den Altersabstand zwischen den Geschwisterkindern und deren Gleich- oder Verschiedenheit. Je nach Alter nehmen Geschwisterkinder die Erkrankung unterschiedlich wahr; Verständnis und Ängste variieren.

Ältere Geschwisterkinder kämpfen oft mit dem Gefühl der Entthronung, während jüngere Geschwisterkinder bereits im Familienalltag mit Diabetes aufwachsen und es nicht anders kennen. Entscheidend sei auch, wie die Eltern mit dem Diabetes umgehen, denn deren Haltung beeinflusst die Stimmung der Geschwisterkinder.

Dr. Maier fasste verschiedene Aussagen einer Studie zusammen und viele Eltern konnten sich in den Aussagen wiederfinden. Zu den Aussagen der Geschwisterkinder gehörten unter anderem: „Warum habe ich keinen Diabetes?“, „Schon wieder kann der Ausflug nicht stattfinden, wegen des Diabetes meiner Schwester/meines Bruders…“.

Die Studie zeigte ferner, dass manche Geschwisterkinder ihre eigenen Ängste und Sorgen zurückhalten, um die Eltern nicht zusätzlich zu belasten.

Darüber hinaus äußern manche Geschwisterkinder Befürchtungen, in der Zukunft selbst an Typ-1-Diabetes zu erkranken.

Auch kann es vorkommen, dass Geschwisterkindern im Vorschul- oder frühen Grundschulalter sich die Schuld an der Entstehung des Diabetes bei ihrer Schwester / bei ihrem Bruder geben, z.B. nach einem Streit.

Dr. Maier hatte Tipps für Eltern mitgebracht

Als wichtige Tipps gab Dr. Maier den Teilnehmenden mit auf den Weg, den Geschwisterkindern Sicherheit zu vermitteln, verständlich und altersentsprechend über den Diabetes zu sprechen, einen gerechten Umgang mit allen Kindern zu wahren, das Kind mit Diabetes nicht zu bevorzugen oder ständig in den Mittelpunkt zu stellen, offen über Gefühle des Geschwisterkindes zu sprechen und Konkurrenzgefühle zuzulassen. Zudem sollten Eltern aufmerksam bleiben – auch in Bezug auf nonverbale Signale des Geschwisterkindes. Soweit möglich, sollten spezielle Auszeiten für das Geschwisterkind reserviert und gemeinsame Aktivitäten unternommen werden.

Ebenso wichtig ist es, dass Eltern Selbstfürsorge betreiben, sich Auszeiten gönnen und Kraft tanken; das Annehmen des Diabetes und eine gute Integration in den Familienalltag fallen dann leichter.

Wir freuen uns, dass unser Webinar mit diesem spannenden Thema den Abschluss des Jahres 2025 bildete und wir aufgrund der großen Nachfrage auch im Jahr 2026 Webinare für Familien mit Typ-F anbieten können.

Anica Towae, Vorstand des DBW für das Ressort Kinder, Jugend & Familie

Quelle: Studie von Elhabashy et al.

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