+++ Diabetes AKTUELL +++

Über 2.300 Menschen sind schon dabei – jetzt zum monatlichen Newsletter anmelden & nichts mehr verpassen!

Diabetes und Hitze – Hitze und Diabetes

Extreme Hitze ist gefährlich und kann besonders Menschen mit chronischen Krankheiten gefährden. Was sollten Menschen mit Diabetes wissen bzw. bedenken?

Die Hitzewelle 2003 hat dazu geführt, dass etwa 7.600 Menschen mehr als statistisch erwartet gestorben sind. Ähnliches wurde uns auch in den letzten Jahren berichtet. Wir selbst spüren, dass es uns bei einer Hitze, wie wir sie gerade erleben, nicht gut geht. Menschen mit Diabetes sind davon in besonderem Maß und besonderer Weise betroffen, insbesondere ältere. Wegen des Klimawandels müssen wir uns leider darauf einstellen, dass Extremhitze immer häufiger auftritt.

Was sind die Gründe für diese Gefährdung?

Gestörte Anpassungsmechanismen

Der Diabetes führt, ist der Zucker nicht optimal kontrolliert, zu einer verminderten Funktion des vegetativen Nervensystems bei der Anpassung an die Außentemperatur. Beeinträchtigt sind die Steuerung der Schweißproduktion (Schwitzen) und der Anpassung der Hautdurchblutung. Und normalerweise reagiert die Haut durch verstärkten Blutfluss in der Haut durch Gefäßerweiterung. Diese so genannte trockene Hitzereaktion ist beeinträchtigt, besonders bei schon bestehender Neuropathie. Auch Übergewicht (Adipositas) ist hier besonders ungünstig, da die Hautoberfläche im Verhältnis zum Körpervolumen geringer ist. So kann die Körpertemperatur gefährlich steigen. Besteht auch eine Neuropathie, ist die Anpassung an Hitze noch schlechter.

Gestörter Flüssigkeitshaushalt

Bei älteren Menschen ist das Durstgefühl verringert, so dass sie in Gefahr sind, zu wenig zu trinken. Eine dann drohende Austrocknung führt zu erhöhten Zuckerwerten und diese durch eine verstärkte Zucker- und Wasserausscheidung durch die Nieren zur weiteren Austrocknung, eventuell bis hin zu bedrohlichen Stoffwechselentgleisungen (Überzuckerung bis hin zum Koma).

Gestörter Zuckerhaushalt

Erhöhte Außentemperaturen stören den Zuckerstoffwechsel aber auch auf andere Weise. Bei Insulintherapie wird Insulin durch Wärme verstärkt aus den subcutanen Depots freigesetzt, so dass der Zuckerspiegel schneller und stärker absinkt, allerdings nur dann, wenn im Körper genügend Flüssigkeit vorhanden ist. Bei Austrocknung nimmt die Insulinwirkung ab. Unerwartete Schwankungen des Zuckerspiegels sind jedenfalls dann zu erwarten.

Und die Konsequenzen

Welche Bedeutung hat das für Sie? Sie sollten diese Ratschläge besonders beachten:

  • Halten Sie Ihre Wohnräume möglichst kühl, indem sie tagsüber Fenster und Türen schließen und beschatten und nur nachts lüften, so dass die Temperatur tags nicht über 32°C und nachts nicht über 24 °C steigt.
  • Gehen Sie möglichst nicht in den heißen Stunden nach draußen und bleiben Sie möglichst im Schatten. Schützen Sie sich vor Sonne und Sonnenbrand.
  • Nutzen Sie für Bewegung oder Arbeit im Freien die kühlsten Stunden des Tages.
  • Gehen Sie nicht barfuß. Duschen oder baden Sie mit lauwarmem Wasser.
  • Essen Sie nur leichte Kost in kleinen Mahlzeiten.
  • Halten Sie Insulin, Blutzuckermessgerät, Insulinpumpe und Selbstkontrollmaterial vor Hitze und Sonneneinstrahlung geschützt (möglichst < 30 °C!), auch im Auto.
  • Trinken Sie genügend, auch wenn Sie nicht durstig sind, und auch mehr, als Sie durch Schweiß und Urin verlieren. Der Urin sollte eine hellgelbe Farbe haben. Trinken Sie nicht nur reines Wasser, um einen Salzmangel zu vermeiden, sondern auch isotonische Getränke (z.B. verdünnte Fruchtsäfte, leicht gesalzenes Wasser (Suppe) oder alkoholfreies Bier, dabei Zuckerkontrollen!). Alkohol und Koffein sind ungünstig.
  • Auf alle Fälle ist es wichtig, Ihren Zuckerstoffwechsel deutlich häufiger zu kontrollieren, sofern Sie dies können. Denn Hitze kann dazu führen, dass der Zucker stärker ansteigt oder aber auch stärker abfällt als gewöhnlich.
  • In einer Hitzeperiode kann es bei mit Insulin behandelten Menschen mit Diabetes zur Hyperglykämie oder sogar einer Ketoazidose dadurch kommen, wenn das temperaturempfindliche Insulin eventuell an Wirksamkeit verliert.
  • Dies sollte bedacht werden, und die Symptome einer Hyperglykämie oder Ketoazidose sollten bekannt sein: Starker Durst, Müdigkeit, Mundtrockenheit, vertiefte Atmung, Azetongeruch
  • Man sollte den Insulinvorrat bei 2° bis 8° im Kühlschrank lagern und das im Gebrauch befindliche vor Hitze schützen, z.B. durch Kühltasche oder körpernah. Auch Insulinpumpen sollten Sie körpernah tragen. 
  • Andererseits beschleunigt Hitze oder Sonneneinstrahlung die Wirkung von gespritztem Insulin und kann durch verstärkte Wirkung zu einer Hypoglykämie führen.
  • Daher kann es nötig sein, generell die Insulintherapie anzupassen.

Dr. Albrecht Dapp

Literatur:

Leyk D, Hoitz J, Becker C, Glitz KJ, Nestler K, Piekarski C: Health risks and  interven tions in exertional heat stress. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 537–44.  DOI: 10.3238/  arzte bl.2019.0537

https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Fallbericht-Zu-heiss-fuer-das-Insulin-440090.html?bPrint=true

https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Hitzewellen-sind-fuer-Diabetiker-besonders-bedrohlich-424106.html

https://www.coliquio.de/wissen/medizinische-news-100/wie-menschen-temperaturen-empfinden

Kontakt