Erfahrungen mit der Einschulung bei Typ-1-Diabetes ohne Integrationskraft

Der Wechsel vom Kindergarten und das erste Schuljahr (2025/2026)

Kind bei Einschulung

Hurra, ich werde eingeschult (S. Birkhold)

Der Wechsel vom Kindergarten in die Schule war für uns lange Zeit mit einem großen Fragezeichen und einem gewissen Maß an Beunruhigung versehen. Hatten wir uns doch in 2 1/2 Jahren Diabetes-Management mit dem Kindergartenteam (das uns wirklich toll unterstützt hat) gut eingefunden und genossen den Komfort eines eingespielten Teams und vertrauensvoller Beziehungen. Entsprechend groß war die Sorge, dass mit dem Wechsel in die Schule ein gewisser Bruch einhergehen könnte, sowohl was die Unterstützung durch die Lehrkräfte als auch was die neuen Mitschüler anging. 

Der Wechsel vom Kindergarten in die Schule sollte reibungslos und unaufgeregt erfolgen 

Würden uns die Lehrkräfte unterstützen? Würden die Mitschüler den Diabetes und seine Behandlung genauso unaufgeregt annehmen wie die Kindergartenkinder? 

So suchte ich frühzeitig den Kontakt zu Schulleitung und Kernzeitbetreuung, um die Möglichkeiten auszuloten. Unser Ziel war klar: möglichst wenig Einschränkungen und eine normale Teilhabe am Schulalltag. Unsere Tochter sollte, wo es geht, selbstständiger im Diabetesmanagement werden und nur an den notwendigen Stellen Hilfe von außen bekommen. 

In der Kernzeitbetreuung fand mein Angebot einer Mitarbeiterschulung direkt regen Anklang. Frühzeitig konnte ich hier die Mitarbeiter über den Diabetes informieren und besprechen, welche Aufgaben auf sie als Betreuer zukommen würden. Auch die Teilnahme am warmen Mittagessen wurde hier nie in Frage gestellt. Die Mitarbeiter waren bereit, Essen entsprechend von mir bearbeiteter Speisepläne abzuwiegen und Kohlenhydratmengen zu ermitteln. Die Eingabe ins Steuergerät der Insulinpumpe sollte dann durch meine Tochter erfolgen, es sollte lediglich auf die korrekten Zahlen geachtet werden. 

Die Schulung der Lehrkräfte war eine gute Grundlage 

In Sachen Schulunterricht mussten wir etwas länger zittern. Die Schulleitung hatte uns zwar zu verstehen gegeben, dass sie grundsätzlich bereit war uns zu unterstützen, jedoch das Wie und Wer blieb im Ungewissen, bis schließlich die Klassenlehrer, eine Woche vor Schulbeginn, feststanden. Daraufhin durften wir mit den beteiligten Lehrkräften (immerhin sieben an der Zahl!), eine Diabetes-Schulung (DIAschulisch)durchführen und das Vorgehen im Schulalltag besprechen. Die Mitarbeiter waren offen, teilweise etwas besorgt, aber alle mit der grundsätzlichen Bereitschaft, sich mit dem Thema zu beschäftigen. 

Wie sich herausstellte, hatten wir in vielerlei Hinsicht Glück. Unser Klassenlehrer war früher im Rettungsdienst tätig gewesen und daher recht entspannt, was den Umgang mit Diabetes-Patienten anging. Das Konzept unserer Schule sieht außerdem in der ersten Klasse ein gemeinsames Pausenvesper vor, bevor die Kinder dann zum Bewegen auf den Schulhof gehen. Ideal, um im Klassenverband in Ruhe die Kohlenhydrate fürs Pausenbrot ins Steuergerät einzugeben und diese durch den Klassenlehrer kontrollieren zu lassen. 

Die Einzelstunden Sport hatten wenig Einfluss auf den Blutzuckerspiegel 

Auch mit den Zeiten für den Sport- und Schwimmunterricht hatten wir Glück. Diese liegen jeweils in der ersten Stunde, so dass ich zu Hause noch den Aktivitätsmodus aktivieren kann und meine Tochter in der Schule nicht mehr daran zu denken braucht. 

Vorteilhaft ist für uns auch, dass Sport und Schwimmen jeweils in Einzelstunden stattfinden. Mit dem Weg in die Halle und den Zeiten, die zum Umziehen benötigt werden, ist hier kaum ein Einfluss auf den Blutzucker feststellbar. 

Gerade in der Anfangsphase gibt es auch (überwindbare) Schwierigkeiten 

Aber ja, wir befinden uns noch in der Anfangsphase und haben auch noch Baustellen. Jede neue Situation ist erst einmal unbekannt und muss abgeklärt werden. Hier muss ich jederzeit für die Lehrer oder Kernzeitbetreuer telefonisch erreichbar sein. Bei Versagen der Diabetestechnik hilft nur der schnelle Weg in die Schule. 

Da der Caterer leider keine Nährwerttabellen zur Verfügung stellt, muss ich bei den Angaben zum Mittagessen (z.B. bei “Nudelauflauf mit Gemüse” oder “Waldfruchtdessert”) regelmäßig qualifiziert raten, was nicht immer gut gelingt. 

Und leider kam es dann doch auch, wenn auch bislang nur ein einziges Mal, zu einem blöden Kommentar durch ein Mädchen aus einer höheren Klasse, welches nicht wollte, dass unsere Tochter sich zur Gruppe gesellt, “um sich nicht anzustecken”. Solche Momente möchte man seinem Kind natürlich gerne ersparen. 

Ein Glücksfall von Klassenlehrer 

Alles in allem sind wir aber sehr zufrieden mit unserem Start in die Schule. Obwohl sich die Anzahl der am Diabetesmanagement beteiligten Personen vervielfacht hat, und unsere Tochter Therapieentscheidungen zur Unterzuckerbehandlung oder durch die Pumpe vorgeschlagene Korrekturen inzwischen überwiegend allein trifft, hält sich das Chaos halbwegs in Grenzen. Einen Szenenapplaus verdient die fachmännische Tape-Sicherung unserer Patch-Pumpe durch unseren Klassenlehrer, als unsere Tochter sie beim Klettern zur Hälfte abgerissen hatte. Die Pumpe hat den Weg zum Mittagessen und nach Hause tatsächlich noch überlebt.

Saskia Birkhold

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