Gebraucht werden, Gemeinschaft erleben

Warum ich eine Selbsthilfegruppe leite

Kaffeepause bei der Delegiertenversammlung

Kaffeepause bei der Delegiertenversammlung 2025 (Michael M.Roth, MicialMedia)

Stand des DBW beim ADBW-Kongress

Sabine Krieg am Stand des DBW beim ADBW-Kongress 2025 in Ettlingen (A.Kneiphoff)

Gruppenbild

Gruppenbild beim Gruppenleiterseminar 2025 (A. Kneiphoff)

Diabetes – das Thema war mir nicht fremd. Als Redakteurin im Gesundheitsbereich habe ich bereits viele Artikel darüber geschrieben und immer mal wieder an Pressekonferenzen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) teilgenommen. Wirklich ins Bewusstsein gerückt ist es jedoch erst, als Diabetes im eigenen Familienkreis aufkam. Plötzlich ging es nicht mehr nur um Fachwissen, sondern auch um persönliche Betroffenheit und den Wunsch, mehr zu verstehen und helfen zu können. Als ich einen Aushang mit der Information sah, dass der Verein Diabetiker Baden-Württemberg (DBW) eine neue Selbsthilfegruppe gründete, passte das perfekt. Ich wollte mich informieren und besuchte die ersten Treffen.

Zufällig ins Ehrenamt gerutscht

Einige Zeit später wurde ich gefragt, ob ich mir die Leitung der Gruppe vorstellen könne. Da musste ich erst einmal kurz überlegen. Aber warum eigentlich nicht? Ein Ehrenamt zu übernehmen und mich fürs Gemeinwohl zu engagieren, der Aufwand schien mir sinnvoll investiert. Und ich bin damit nicht allein: 28,8 Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich.
Eine Frage bewegte mich trotzdem noch: Ich selbst habe keinen Diabetes und bin nur Angehörige. Würde das für die Leute passen, wenn ich als Leiterin vor ihnen stehe? Würden sich die anderen Mitglieder damit wohlfühlen? Diese Sorge war schnell ausgeräumt. Die Teilnehmenden begegneten mir offen und herzlich und machten deutlich, worauf es ihnen ankommt. „Es tut gut, dass jemand die Treffen organisiert und möglich macht“, sagte mir eine langjährig Betroffene. Das ist inzwischen mehr als zwei Jahre her. Seitdem treffen wir uns in der Regel einmal im Monat.

Expertenwissen hautnah

Jede Veranstaltung hat einen thematischen Schwerpunkt. Meistens kommen dazu passende Referenten zu uns. Sie reden über Themen, die sowohl Menschen mit Typ-1- als auch mit Typ-2-Diabetes anspricht. Demnächst steht z. B. der Aspekt „Diabetes und Straßenverkehr“ auf dem Programm, zu dem ein Sozialreferent der Deutschen Diabetes-Föderation (DDF) über neue Regelungen informiert. Ebenfalls im ersten Halbjahr besucht uns eine Diplom-Psychologin, die sich besonders gut mit dem Zusammenhang zwischen „Blutzucker und Psyche“ auskennt.

Austausch auf Augenhöhe

Gleichzeitig gibt es bei den Treffen immer viel Raum für persönlichen Austausch. Nach etwa zwei Stunden gehen alle mit neuem Wissen und einem starken Gemeinschaftsgefühl nach Hause. Manchmal entstehen wertvolle Gespräche auch erst danach, wenn an der Garderobe Jacken schon angezogen sind und noch Tipps ausgetauscht werden: etwa eine Arztempfehlung im Umkreis oder die Erfahrung mit einer neuen Pumpe. „Hier kann ich Fragen stellen, für die in der Arztpraxis oft die Zeit fehlt“, meinte ein Teilnehmer einmal dankbar. Überhaupt erfahre ich von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel Wertschätzung für die Gruppenleitung. Das tut gut.

Neue Perspektiven für alle Beteiligten

Natürlich kostet die Leitung einer Selbsthilfegruppe Zeit. Themen müssen geplant, Referierende für die Vorträge gefunden, die Mitglieder angeschrieben und informiert werden. Doch der Aufwand lohnt sich für mich, ich finde die Themen spannend und auch das, was die Betroffenen umtreibt: Da sind oft Unsicherheiten und Probleme, aber auch Erfolge im Diabetesalltag und einfach viel persönliche Geschichten.

Menschen erreichen und ermutigen

Was mich nachdenklich macht: Jährlich erkranken in Deutschland rund 450.000 Menschen neu an Typ-2-Diabetes, aber nur wenige finden den Weg in eine Selbsthilfegruppe. Die Gründe dafür sind vielfältig. Manche scheuen den ersten Schritt, andere denken, die Erkrankung lasse sich allein mit Tabletten regeln. Dabei kann gerade der Austausch helfen, den eigenen Weg im Umgang mit der Erkrankung zu finden oder im Fall von Prädiabetes sogar wieder gesünder zu werden. Selbsthilfe bedeutet nicht, Probleme zu haben, sondern sich Unterstützung zu holen und Erfahrungen zu teilen.

Eine Einladung

Vielleicht liest das hier jemand, der bislang gezögert hat. Oder jemand, der sich fragt, ob eine Selbsthilfegruppe das Richtige sein könnte – auch in seiner Region. Mein Beispiel zeigt: Gemeinschaft, Austausch und gegenseitige Unterstützung können viel bewirken. Oft mehr, als man zunächst denkt.

Daher sind neue Mitglieder in meiner sowie in allen anderen Gruppen des DBW herzlich willkommen. Finden Sie keine passende Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe? Der Verein unterstützt Sie bei der Suche. Wer sich vorstellen kann, selbst eine Gruppe zu leiten, wird dabei gerne vom DBW begleitet und unterstützt. Entsprechende Informationen und viele weitere Angebote finden Sie auf der Website des DBW Diabetiker Baden-Württemberg: www.diabetiker-bw.de

Sabine Krieg

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