Einordnung der Begrifflichkeiten
Superfoods werden als Lebensmittel mit besonders hoher Nährstoffdichte definiert. Sie enthalten in konzentrierter Form Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Antioxidantien, Ballaststoffe oder gesunde Fette. Ihre Bewerbung zielt häufig auf Leistungsfähigkeit, Attraktivität oder die Unterstützung von Körperfunktionen ab. Nahrungsergänzungsmittel (NEM) sind rechtlich betrachtet ebenfalls Lebensmittel, deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen werden muss. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind sie im Regelfall überflüssig, da sie die Ernährung lediglich ergänzen, nicht jedoch Krankheiten verhindern oder therapieren sollen. Der Markt ist stark wachsend und umfasst mehr als 3.500 Produkte für unterschiedliche Zielgruppen und Zwecke, etwa zur Nährstoffversorgung, Mangelvermeidung, Stoffwechselförderung oder Regeneration.
Die europäischen Health-Claims-Verordnung reguliert, welche gesundheitsbezogenen Aussagen auf Lebensmitteln erlaubt sind. Dennoch werden Superfoods und Supplemente weiterhin aggressiv beworben, auch im Kontext Diabetes.
Zum wissenschaftlichen Nutzen
Zu den beliebtesten Produktgruppen zählen Nüsse und Samen wie Chia und Hanf, Beeren wie Acai, Algen wie Spirulina, Gräser und Wurzeln wie Kurkuma und Maca sowie Vitalpilze. Der wissenschaftliche Nutzen ist jedoch sehr heterogen. Ein Beispiel ist Zimt. Tierstudien zeigten Effekte auf Insulinspiegel, aber nicht konsistent auf die Blutzuckerregulation. Cassia-Zimt enthält viel Cumarin, das lebertoxisch wirken kann. Ceylon-Zimt ist diesbezüglich sicherer. Extraktpräparate müssen wegen unterschiedlicher Zusammensetzung kritisch betrachtet werden.
Auch Kurkuma wird häufig zur Blutzuckerkontrolle eingesetzt. Curcumin weist allerdings eine geringe Bioverfügbarkeit auf, besitzt potenzielle Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich und kann mit gerinnungs- und blutzuckersenkenden Medikamenten interagieren. Eine sichere tägliche Zufuhr liegt bei etwa 2 mg pro Kilogramm Körpergewicht.
Bei Vitamin D und Magnesium existieren Hinweise, dass eine Supplementierung bei nachgewiesenem Mangel die Insulinresistenz oder den Blutdruck verbessern kann. Die Evidenz ist jedoch nicht ausreichend für eine generelle Empfehlung. Magnesium organischer Bindungsformen (z. B. Citrat, Glycinat) wird besser aufgenommen als anorganische Formen wie Oxid.
Risiken von Superfoods und NEM umfassen Qualitätsabweichungen, Kontaminationen, Überdosierungen sowie Interaktionen mit Medikamenten. Gerade Importprodukte aus Nicht-EU-Ländern sind stärker kontrollbedürftig. Für Personen mit Typ-2-Diabetes gilt die eindeutige Empfehlung: Der Nährstoffbedarf sollte primär über eine ausgewogene Ernährung gedeckt werden. Bittere Lebensmittel wie Rucola, Chicorée oder Rosenkohl enthalten wertvolle bioaktive Stoffe in natürlicher Form. Auch pflanzliche Samenkerne, etwa in Weintrauben oder Himbeeren, liefern gesundheitsrelevante Polyphenole.
Fazit
Aus dem Kochtopf statt aus Kapseln. Superfoods können geschmackliche Abwechslung bieten, doch ein gesundheitlicher Mehrwert gegenüber traditionellen Lebensmitteln ist wissenschaftlich kaum belegt. Die Ernährung bleibt erste Wahl für Menschen mit Diabetes. Sollten Supplemente erforderlich sein, muss eine ärztliche Indikationsstellung erfolgen.
Gisela Hogenaar-Klumpp
PS: Frau Hogenaar-Klumpp steht gerne Selbsthilfegruppen nach Absprache zur Verfügung, um über dieses oder verwandte Themen zu referieren. Schreiben Sie ihr gerne eine Nachricht: E-Mail an Frau Hogenaar-Klumpp
