+++ Diabetes AKTUELL +++

Meldet euch JETZT für den neuen Newsletter an! Sendet einfach eure Emailadresse an info[at]diabetiker-bw.de mit dem Stichwort: Newsletter.

Werbung verdoppelt Fast Food-Konsum von Kindern

Gegen Werbung für Burger und Pommes frites kommt sogar ein gesundes Vorbild der Eltern nicht an. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert deswegen ein Verbot von Kinderwerbung für ungesunde Lebensmittel.

Schockierende Daten einer aktuellen US-Studie: Kinder, die Werbung für Fast Food sehen, essen rund doppelt so häufig diese Produkte wie Kinder, die keiner derartigen Werbung ausgesetzt sind. Und zwar auch dann, wenn ihre Eltern selten Fast Food konsumieren. Dies ist das Ergebnis einer Langzeiterhebung mehrerer Universitäten an über 600 Kindern1.

Aufzeichnung wie viele Werbespots für McDonald’s die Kinder gesehen hatten

Die an der Studie teilnehmenden Familien mit Kindern im Alter zwischen drei und fünf Jahren dokumentierten über einen Zeitraum von einem Jahr, wann ihre Kinder welche TV-Sendungen für wie lange gesehen hatten. Durch einen Abgleich mit Programmaufzeichnungen konnten die Forscher die Dauer ermitteln, der die Kinder dieser besonders an die junge Zielgruppe gerichteten Fast Food-Werbung ausgesetzt waren.

Werbung kann Food-Konsum von Kindern enorm steigern

Parallel dazu hielten die Eltern wöchentlich fest, wie oft ihre Kinder Produkte von McDonald’s gegessen hatten. Das Ergebnis: Kinder, die Werbespots dafür gesehen hatten, aßen doppelt so oft bei McDonald’s wie Kinder, die keine Werbung sahen. Dazu reichten schon gelegentliche Werbespots aus. Dieser Effekt zeigte sich auch dann, wenn die Eltern gar keine Fans von Fast Food waren.  „Der Auslöser war hier der eigene Wunsch des Kindes nach Fast Food“, schlussfolgern die Autoren. Essen die Eltern selbst auch regelmäßig Fast Food, machte Werbung keinen Unterschied – die Kinder konsumieren es dann natürlich auch, egal ob mit oder ohne Werbung.

Forderung nach Verbot für an Kinder gerichtete Werbung

Das Wissenschaftsbündnis „Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten“ (DANK) fordert schon lange, an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Produkte in Deutschland zu unterbinden. „Solche Werbung konterkariert alle Bemühungen, Kindern gesunde Ernährung zu vermitteln“, sagt Barbara Bitzer, DANK-Sprecherin und Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft. „Selbstverpflichtungen der Industrie haben sich hier als wirkungslos erwiesen. Daher hilft nur ein Verbot, um Kinder vor dem gesundheitsschädlichen Einfluss von Werbung zu schützen.“

Werbung wirkt stärker als familiäres Vorbild

„Die Ergebnisse zeigen, dass Werbung Kinder sogar stärker beeinflussen kann als das gute Vorbild der Familie“, sagt Bitzer, „es ist nicht hinnehmbar, dass so alle Bemühungen von Eltern und Pädagogen für eine gesunde Kinderernährung zunichte gemacht werden.“ Auch die WHO empfiehlt ein Werbeverbot als wirksame Maßnahme gegen Übergewicht bei Kindern.

Mehrere Länder haben bereits entsprechende Gesetze, beispielsweise Norwegen und Schweden. Auch die deutsche Verbraucherschutzministerkonferenz verabschiedete 2018 einen Appell an die Bundesregierung, gegen an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel vorzugehen: „Wo Selbstregulierung nicht funktioniert, steht der Gesetzgeber in der Pflicht, wirksame Maßnahmen zum Schutz der kindlichen Gesundheit zu ergreifen.“

In der Nationalen Reduktionsstrategie des Ernährungsministeriums wird das Thema zwar erwähnt, aber nur sehr vage. „Wir erwarten, dass Ministerin Klöckner in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode ein Verbot für an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Produkte vorantreibt“, sagt Bitzer, „es wäre widersinnig, Babys vor ungesunder Nahrung wie gezuckerten Tees zu schützen, ältere Kinder aber nicht mehr.“

1 https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0195666318318671?via%3Dihub