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Früh­er­ken­nungs­test für Typ-1-Dia­be­tes er­folg­reich ge­tes­tet

Ketoazidose bei der Manifestation kann drastisch gesenkt werden

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in einer großen, bayernweit angelegten Bevölkerungsstudie den weltweit ersten Früherkennungstest für Typ-1-Diabetes eingesetzt und die Auswirkungen untersucht. Mit dem Screening auf Insel-Autoantikörper ist es erstmalig möglich, bereits bevor erste Symptome von Typ-1-Diabetes (präsymptomatische Stadien) auftreten, die Erkrankung zu diagnostizieren.

Typ-1-Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen mit teilweise lebensbedrohlichen Folgen. Damit Typ-1-Diabetes früh behandelt werden kann und um einer späteren Entwicklung schwerwiegender Folgeerkrankungen, wie etwa Herz-Kreislauf-Krankheiten oder einer Schädigung der Nieren, vorzubeugen, ist es wichtig die Krankheit so früh wie möglich zu erkennen. Dazu ist eine entsprechende Diagnostik in Kindesalter notwendig.

Diagnose über Insel-Autoantikörper

Ein präsymptomatischer Typ-1-Diabetes lässt sich mit dem Nachweis von mindestens 2 Insel-Autoantikörpern im Blut diagnostizieren. Das Vorhandensein dieser Antikörper weist darauf hin, dass das körpereigene Immunsystem die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse angreift – die Ursache für Typ-1-Diabetes. Diese Antikörper können bereits Jahre bevor erste Erkrankungssymptome auftreten im Blut erkannt werden.

Vor diesem Hintergrund testeten die Forscherinnen und Forscher von 2015 bis 2019 im Rahmen der Fr1da-Studie 90.632 Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren auf das Vorhandensein von Insel-Autoantikörpern. Unterstützt wurden sie dabei von 682 Kinderärztinnen und Kinderärzten in Bayern, die den Fr1da-Bluttest als für die Familien freiwillige Zusatzleistung in ihre routinemäßigen Früherkennungsuntersuchungen aufnahmen.

Die Kinder, die Antikörper im Blut aufwiesen, stufte die Forschungsgruppe in einem neuartigen Ansatz in 3 Stadien ein:

  • Stadium 1 (Normoglykämie: Blutzuckerwerte im Normbereich)
  • Stadium 2 (Dysglykämie: Störung des Zuckerstoffwechsels)
  • Stadium 3 (Vorliegen eines Typ-1-Diabetes)

Diese Einstufung ermöglichte eine individuelle Verlaufskontrolle und Behandlung der Kinder.

Diabetische Ketoazidose verhindern

Die Untersuchung von 90.632 Kindern* ergab bei 280 Kindern (0,31 Prozent) einen präsymptomatischen Typ-1-Diabetes. Von diesen 280 Kindern entwickelten 24,9 Prozent einen Typ-1-Diabetes (Stadium 3). Nur bei 2 von ihnen kam es zu einer diabetischen Ketoazidose.

Bei einer diabetischen Ketoazidose handelt es sich um eine starke Erhöhung des Blutzuckerspiegels infolge eines Insulinmangels. In dieser Studie lag die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer diabetischen Ketoazidose bei der Manifestation eines Typ-1-Diabetes bei weniger als 5 Prozent. In Deutschland erleiden aktuell noch mehr als 20 Prozent der nicht-getesteten Kinder eine diabetische Ketoazidose, in den USA sind es 40 Prozent. Dies lässt vermuten, dass durch Screenings die Schwere des Krankheitsverlaufs nicht nur in Deutschland, sondern weltweit gemindert werden kann.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein Früherkennungstest das Fortschreiten von präsymptomatischem Typ-1-Diabetes zur gefährlichen diabetischen Ketoazidose verhindern kann. Die Studie liefert somit die Grundlage, neue Richtlinien für künftige Diagnoseverfahren zu formulieren und eine Empfehlung hinsichtlich einer Aufnahme des Screenings in den Leistungskatalog der Regelvorsorge zu diskutieren.

*Anmerkung DBW: Dabei handelte es sich um Kinder, von denen mindestens ein Elternteil einen diagnostizierten Typ1-Diabetes aufwies.

Quelle:
Ziegler, A. et al.: Yield of a public health screening of children for islet autoantibodies in Bavaria, Germany. In: JAMA, 2020, 323: 339-351

Bild: ©shutterstock

 

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