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Was ist Typ-5-Diabetes? Ursachen, Symptome und Behandlung
Verfasst von: Andreas Kneiphoff (MarketingÖA), fachlich geprüft von Dr. Albrecht Dapp (Internist und Diabetologe)
Inhaltsverzeichnis:
- Typ-5-Diabetes verstehen - einfach erklärt
- Wie häufig ist Typ-5-Diabetes? Wen trifft Diabetes Typ 5?
- Was sind Symptome und erste Warnzeichen für Diabetes Typ 5?
- Wie unterscheiden sich Typ-1-, Typ-2- und Typ-5-Diabetes?
- Wie wird Diabetes Typ 5 festgestellt?
- Wie entsteht Diabetes Typ 5? Ursachen & Risikofaktoren
- Wie gehe ich mit Diabetes Typ 5 um?
- Langfristig denken – Folgeerkrankungen vermeiden
Typ-5-Diabetes verstehen - einfach erklärt
Der Begriff Diabetes Typ 5 bezeichnet eine seltene Form von Diabetes, die vor allem im Zusammenhang mit Mangel- oder Unterernährung insbesondere in Kindheit und Jugend beschrieben wird. Betroffen sind häufig junge Menschen, die weder übergewichtig sind noch die typischen Merkmale von Typ-1- oder Typ-2-Diabetes aufweisen.
Was ist bis jetzt bekannt?
Nach aktuellem medizinischem Wissen handelt es sich bei Typ-5-Diabetes um einen Diabetes, bei dem die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse eingeschränkt ist.
Im Gegensatz zu Typ-1-Diabetes liegt keine Autoimmunerkrankung vor, und anders als bei Typ-2-Diabetes steht keine Insulinresistenz durch Übergewicht im Vordergrund.
Vermutet wird eine mangelhafte Ausbildung der Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse durch Mangelernährung.
Diese Form wurde vor allem in Regionen mit langanhaltender Mangelernährung beobachtet (vorwiegend in Entwicklungsländern wie z.B.: Bangladesch, Nigeria, India, Äthiopien, Korea, Thailand, oder Uganda) und wird daher auch als mangelernährungsassoziierter Diabetes bezeichnet.
Was wird noch erforscht?
Die wissenschaftliche Einordnung von Typ-5-Diabetes ist noch nicht vollständig abgeschlossen.
Nicht alle Fachgesellschaften führen ihn als eigenständigen Diabetestyp. Teilweise wird er weiterhin unter „sonstige spezifische Diabetesformen“ eingeordnet.
Auch die genauen Ursachen, die optimale Behandlung und die langfristige Prognose werden noch erforscht. Neue Erkenntnisse kommen vor allem aus internationalen Studien. Beispiel: https://diabetesjournals.org/care/article/45/6/1428/146920/An-Atypical-Form-of-Diabetes-Among-Individuals
Warum wird der Begriff Diabetes Typ 5 trotzdem verwendet?
Der Begriff Typ-5-Diabetes wird genutzt, um diese besondere Form sichtbarer zu machen und sie klar von Typ-1- und Typ-2-Diabetes abzugrenzen.
Für Betroffene kann diese Einordnung helfen, Missverständnisse zu vermeiden und eine passendere Behandlung zu finden.
Wichtig: Typ-5-Diabetes ist kein „neuer Modetrend“, sondern ein Fachbegriff, der sich noch in der medizinischen Diskussion befindet.
Nachfolgend informieren wir darüber, was bisher bekannt ist, welche Unterschiede zu anderen Diabetesformen bestehen und worauf Betroffene und Angehörige achten sollten.
Wie häufig ist Typ-5-Diabetes? Wen trifft Diabetes Typ 5?
Typ-5-Diabetes ist bei uns sehr selten und macht nur einen sehr kleinen Anteil aller Diabeteserkrankungen in Deutschland aus. Genaue Zahlen sind schwer anzugeben, da diese Form nicht überall einheitlich erfasst wird.
Nach Schätzungen aus internationalen Studien betrifft Typ-5-Diabetes weniger als 1 % aller Menschen mit Diabetes weltweit. Die meisten beschriebenen Fälle stammen aus Regionen mit langanhaltender Mangel- oder Unterernährung, insbesondere in Teilen von Afrika, Asien und Lateinamerika.
In Europa und Deutschland ist Typ-5-Diabetes extrem selten. Wenn er hier vorkommt, dann meist im Zusammenhang mit schweren Ernährungsstörungen, chronischen Erkrankungen oder besonderen sozialen Belastungen.
Warum gibt es keine genaueren Zahlen zu Diabetes Typ 5?
- Typ-5-Diabetes wird bisher nicht überall als eigener Typ geführt
- viele Fälle werden anderen Diabetesformen zugeordnet
- die wissenschaftliche Definition ist noch in Gang und wird noch weiterentwickelt
Deshalb gilt: Typ-5-Diabetes ist bei uns keine häufige Erkrankung, aber für die betroffenen Menschen sehr real – und medizinisch relevant.
Was sind Symptome und erste Warnzeichen für Diabetes Typ 5?
Die Symptome von Typ-5-Diabetes ähneln in vielen Punkten denen anderer Diabetesformen. Sie entwickeln sich oft schleichend und werden daher nicht immer sofort erkannt.
Frühe Anzeichen für Diabetes Typ 5
- starker Durst und häufiges Wasserlassen
- ungewollter Gewichtsverlust, trotz normalem oder geringem Essverhalten
- Müdigkeit, Schwäche, schnelle Erschöpfung
- Konzentrationsprobleme
- trockene Haut oder vermehrte Infektanfälligkeit
Besonderheiten bei Diabetes Typ 5
Typ-5-Diabetes tritt häufig bei Menschen auf, die normal- oder untergewichtig sind. Deshalb wird Diabetes in diesen Fällen oft nicht sofort vermutet.
Ein weiteres Merkmal kann sein, dass die Blutzuckerwerte erhöht sind, ohne dass typische Auslöser wie Übergewicht oder Autoimmunerkrankungen vorliegen.
Wann sollte man sich beim Hausarzt vorstellen?
- bei anhaltender Müdigkeit und Gewichtsverlust ohne erkennbare Ursache
- wenn typische Diabetes-Symptome auftreten, aber Typ 1 oder Typ 2 nicht gut passen
- bei Menschen mit früherer oder aktueller Mangelernährung
Wichtig: Diese Symptome sind nicht spezifisch für Typ-5-Diabetes. Eine sichere Diagnose ist nur durch ärztliche Untersuchungen möglich.
Hier über die AOK-Suche einen Arzt in Ihrer Nähe findenWie unterscheiden sich Typ-1-, Typ-2- und Typ-5-Diabetes?
| Merkmal | Typ-1-Diabetes | Typ-2-Diabetes | Typ-5-Diabetes (mangelernährungsassoziiert) |
| Ursache | Autoimmunerkrankung, Zerstörung der Insulin produzierenden Zellen | Insulinresistenz, häufig in Kombination mit Übergewicht | Eingeschränkte Insulinproduktion, oft im Zusammenhang mit Mangel- oder Unterernährung |
| Alter bei Auftreten | Meist Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene | Meist Erwachsene, zunehmend auch jüngere Erwachsene | Häufig junge Erwachsene, oft in Regionen mit chronischer Unterernährung |
| Körpergewicht | Normalgewicht bis leichtes Untergewicht | Meist Übergewicht oder Adipositas | Normalgewicht bis Untergewicht |
| Insulinproduktion | Sehr gering oder fehlt vollständig | Meist noch vorhanden, aber Insulinwirkung reduziert | Vermindert, ohne Autoimmunprozess |
| Autoantikörper | Meist positiv | Meist negativ | Negativ |
| Häufigkeit | ~5–10 % aller Diabetesfälle | ~85–90 % aller Diabetesfälle | Sehr selten (<1 %), vor allem in Regionen mit Unterernährung |
| Therapie | Lebenslang Insulin | Lebensstil, orale Antidiabetika, evtl. Insulin | Ernährung, ggf. Insulin je nach Schweregrad, Lebensstilanpassung |
Wie wird Diabetes Typ 5 festgestellt?
Die Diagnose eines Typ-5-Diabetes ist nicht einfach und erfolgt meist schrittweise. Da dieser Diabetestyp selten ist und sich von Typ 1 und Typ 2 unterscheidet, braucht es eine gründliche ärztliche Abklärung. Bei Bedarf leitet der Hausarzt an den Facharzt weiter.
1. Nachweis erhöhter Blutzuckerwerte
Zunächst wird – wie bei allen Diabetesformen – geprüft, ob die Blutzuckerwerte dauerhaft erhöht sind. Dazu gehören:
- Nüchternblutzucker
- HbA1c-Wert (Langzeitblutzucker)
- ggf. ein oraler Glukosetoleranztest (OGTT)
Diese Untersuchungen zeigen, dass ein Diabetes vorliegt, sagen aber noch nichts über den genauen Typ aus.
2. Ausschluss anderer Diabetesformen
Ein wichtiger Schritt ist der Ausschluss von Typ-1- und Typ-2-Diabetes:
- Untersuchung auf Autoantikörper, um eine Autoimmunerkrankung auszuschließen (Typ 1)
- Beurteilung von Körpergewicht, Lebensstil und Insulinresistenz (Typ 2)
- Beurteilung des Umfangs der körpereigenen Insulinproduktion
Wenn diese typischen Merkmale eines Typ-1- oder Typ-2-Diabetes fehlen, kann eine andere Diabetesform in Betracht gezogen werden.
3. Beurteilung der Insulinproduktion
Bei Verdacht auf Typ-5-Diabetes wird geprüft, wie viel Insulin der Körper noch selbst bildet, zum Beispiel durch eine C-Peptid-Messung.
Typ-5-Diabetes ist meist durch eine verminderte Insulinproduktion gekennzeichnet – ohne Autoimmunprozess.
4. Einordnung der Lebens- und Ernährungssituation
Ein zentrales Element ist die Anamnese, also das ärztliche Gespräch. Dabei geht es unter anderem um:
- frühere oder aktuelle Mangel- bzw. Unterernährung
- chronische Erkrankungen oder Belastungen
- soziale und gesundheitliche Lebensumstände
Diese Informationen sind wichtig, um den Zusammenhang zwischen Ernährung und Diabetes einordnen zu können.
So funktioniert es:
Typ-5-Diabetes ist eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet: Er wird erst dann in Betracht gezogen, wenn andere Diabetesformen nicht passen.
Nicht jede Ärztin und jeder Arzt verwendet den Begriff Typ-5-Diabetes. Entscheidend ist daher weniger der Name als eine passende, individuell abgestimmte Behandlung.
Wie entsteht Diabetes Typ 5? Ursachen & Risikofaktoren
Die genauen Ursachen von Typ-5-Diabetes sind noch nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken. Im Mittelpunkt steht dabei eine langanhaltende Mangel- oder Unterernährung, besonders in frühen Lebensphasen.
Was gilt als wahrscheinlich?
Als gut belegt gilt, dass eine unzureichende Ernährung über längere Zeit, insbesondere in der Kindheit und Jugend, die Entwicklung und Funktion der Bauchspeicheldrüse beeinträchtigen kann. Dadurch wird weniger Insulin produziert, was zu dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten führen kann.
Auch ein Mangel an bestimmten Eiweißen, Mikronährstoffen und Kalorien scheint eine Rolle zu spielen – vor allem, wenn er bereits in der Kindheit oder Jugend besteht.
Mögliche Risikofaktoren
- chronische Unter- oder Mangelernährung vor allem in der Kindheit und Jugend
- Aufwachsen unter schwierigen sozialen oder gesundheitlichen Bedingungen
- frühere schwere Infektionen oder Erkrankungen, die den Körper stark belastet haben
- geringes Körpergewicht oder fehlende Gewichtszunahme über längere Zeit
Was ist noch unklar?
- warum nur ein Teil der unterernährten Menschen einen Diabetes entwickelt
- welche Rolle genetische Faktoren spielen
- ob und in welchem Ausmaß sich die Erkrankung durch verbesserte Ernährung rückgängig machen lässt
So funktioniert es:
Typ-5-Diabetes ist nicht selbst verschuldet. Er entsteht nicht durch „falsches Verhalten“, sondern steht im Zusammenhang mit langfristigen strukturellen und gesundheitlichen Belastungen.
Die Forschung zu Typ-5-Diabetes entwickelt sich weiter. Neue Erkenntnisse können in Zukunft zu einer klareren Definition und besseren Behandlungsstrategien führen.
Wie gehe ich mit Diabetes Typ 5 um?
Der Umgang mit Typ-5-Diabetes erfordert vor allem eines: Eine individuelle und gut begleitete Behandlung. Da diese Diabetesform bei uns selten ist und sich von Typ 1 und Typ 2 unterscheidet, gibt es keinen einheitlichen Behandlungsplan.
Medizinische Begleitung
Eine enge ärztliche Betreuung ist besonders wichtig. Ziel ist es, die Blutzuckerwerte gut einzustellen und gleichzeitig die zugrunde liegenden Ursachen zu berücksichtigen. Häufig sind mehrere Fachrichtungen beteiligt, zum Beispiel Diabetologie und Ernährungsmedizin.
Ernährung als zentraler Baustein
Eine ausgewogene, ausreichende Ernährung spielt eine zentrale Rolle. Dabei geht es nicht um strenge Diäten, sondern um:
- regelmäßige Mahlzeiten
- ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr
- Vermeidung von Unterversorgung
Eine individuelle Ernährungsberatung kann helfen, den Körper zu stärken und den Blutzucker zu stabilisieren.
Blutzuckerkontrolle und Therapie
Je nach Ausprägung kann eine Blutzuckersenkung durch Tabletten oder Insulin notwendig sein. Nicht alle Betroffenen benötigen dauerhaft Insulin – entscheidend ist die individuelle Situation.
Alltag, Unterstützung und Selbsthilfe
Typ-5-Diabetes kann verunsichern, gerade weil er wenig bekannt ist. Austausch mit anderen Betroffenen, verständliche Informationen und Selbsthilfeangebote können helfen, Sicherheit im Alltag zu gewinnen.
Wichtig: Auch bei einer seltenen Diabetesform gilt – mit guter Begleitung und angepasster Therapie ist ein stabiles und selbstbestimmtes Leben möglich.
Zum ExpertenwissenLangfristig denken – Folgeerkrankungen vermeiden
Ein gut eingestellter Blutzucker ist der wichtigste Schutz für die Gesundheit auf lange Sicht. Wer seinen Blutzucker regelmäßig misst und die eventuelle Insulintherapie sorgfältig anwendet, kann Folgeerkrankungen deutlich verringern oder ganz vermeiden, zum Beispiel:
- Augenschäden
- Polyneuropathie
- Diabetisches Fußsyndrom
- Nierenschäden
Besonders Augen, Nieren, Nerven und Blutgefäße profitieren von stabilen Werten. Ein gut gemanagter Blutzucker senkt das Risiko für Spätfolgen und trägt dazu bei, dass der Körper gesund und leistungsfähig bleibt.
Doch nicht nur die körperliche Gesundheit zählt: Auch die Lebensqualität steigt, wenn der Umgang mit der Krankheit gut funktioniert. Viele Menschen mit Typ-5-Diabetes führen ein aktives, erfülltes und selbstbestimmtes Leben – sie treiben Sport, reisen, arbeiten in verschiedensten Berufen und gründen Familien.
Typ-5-Diabetes bedeutet also nicht, auf ein gutes Leben verzichten zu müssen. Mit Wissen, Unterstützung und moderner Technik lässt sich die Erkrankung langfristig gut beherrschen – und das Leben trotzdem genießen.
Jeder Mensch mit Diabetes hat ein Recht darauf, einen Facharzt für Diabetologie aufzusuchen, wenn seine individuellen Ziele nicht erreicht werden oder sich seine Vitalwerte verschlechtern.
Folgeerkrankungen vorbeugen


