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Gibt’s eigentlich Typ 2 Diabetes bei Kindern und Jugendlichen?

Ja, leider! Die Zeiten des umgangssprachlichen „Altersdiabetes“ sind längst vorbei.

Die Familienstrukturen haben sich in den letzten Jahren sehr gewandelt und – wie übrigens in jedem Bereich – nicht immer zum Positiven. Ich bin selbst Mutter von 2 Söhnen und konnte auch in den letzten 17 Jahren einen Trend beobachten, der besorgniserregend ist.

So gehen gehen Kinder z. B. ohne Frühstück und ohne Schulbrot schnell, schnell aus dem Haus – und das auch noch zu absolut unchristlichen Uhrzeiten. Entweder wird kurz etwas beim Bäcker geholt oder es wird auch gern mal zu „einem verpackten Snack“ in Form von Schokoriegeln gegriffen. Die Kids sind berechtigt müde und trinken oft schon „zum Aufwachen“ (zu beobachten auf den weiterführenden Schulen) Cola oder Energydrinks – Zuckerbomben pur! Der Gang zum „Döner um die Ecke“ oder in die Schulmensa mit „Chicken Nuggets und Pommes“ helfen nicht gerade dabei, das Konzentrationslevel für die Mittagschule hochzuhalten – aber es gibt ja auch für nachmittags wieder den coolen Energybooster – der alles wieder richtet. Irgendwann am späten Nachmittag sind die Kids zuhause – müde, ausgelaugt, energielos… Puh, erstmal chillen! Am liebsten vor der Playstation – oder einfach nur ein paar witzige YouTube-Videos? Auch ok! Abends müde – Fehlanzeige… Geistig sind die Kinder müde – körperlich nicht. Oftmals schlafen die Kinder spät ein und schlafen dann auch noch recht schlecht und unruhig.

In vielen Familien sind häufig beide Elternteile berufstätig. Die Kinder dadurch auch mehr alleine und mehr auf sich gestellt. Wenn Kinder mehr auf sich gestellt sind, dann essen sie nun mal eher das was ihnen richtig schmeckt, als das was ihnen guttun würde!

Viele Kinder und Jugendliche haben einen Bewegungsmangel. Viele sind in keinen Vereinen – der Schulsport sorgt für mäßige Begeisterung. Mit den Freunden wir sich online verabredet mit den Worten „hey gehst du nachher on?“ es wird gezockt, es wird gelacht, sie haben total Spaß – aber jeder für sich, im Chill-Zock-Sessel! Sich draußen treffen ist irgendwie nicht so chillig und auch total langweilig… was soll man denn da auch machen?

Der Bewegungsmangel gepaart mit dem jugendlich geschmackvollen Essenstil setzt sich dann doch schneller auf die Hüfte als man denkt und schwuppdiwupp ist man etwas übergewichtig – und dass es mehr wird, bemerkt man dann einfach auch zu spät.

Auch Kleinkinder bekommen schon in der „Trinkpause“ im Kinderturnen ein Fruchtsaftgetränk, gefolgt von ein paar Gummitierchen. Beim Einkaufen sitzen die Kleinen im Wagen und schmatzen beim Schokoriegel, den Mama extra gekauft hat, weil das Kind so brav war.

Es gibt leider mittlerweile immer mehr Jugendliche (ab 12 Jahren) die einen Typ2 Diabetes diagnostiziert bekommen. Natürlich lieg es nicht an DER Milchschnitte oder an DEM Fruchtsaftgetränk oder an DEN Chicken Nuggets. Der Trend zu schnellen Snacks, weil die Zeit fehlt – das Softgetränk aus dem Automaten, zusammen mit weniger Bewegung ist dennoch sehr besorgniserregend.

Bei meinen mittlerweile vielen Einsätzen als Referentin für DIAschulisch berichten mir Erzieher/innen aus Kitas und auch Lehrer/innen aus der Grundschule, dass sie sehr viele übergewichtige Kinder in ihren Gruppen bzw. Klassen haben. Das mitgebrachte Frühstück entspricht oftmals nicht mal ansatzweise den Vorgaben der Kita oder Schule von einem „gesunden Frühstück“.

Auch ist es nicht mehr so selten, dass junge Typ1 Diabetiker einen Typ2 Diabetes entwickeln und aufgrund von einer Insulinresistenz unterstützend z. B. mit Metformin behandelt werden.

Auch hier muss ich leider feststellen, dass bei Manifestation als erstes gesagt wird „das Kind kann alles Essen und muss auf nichts verzichten“. Das stimmt natürlich! Und das ist auch gut so. ABER: Bei Diagnosestellung ändert sich doch einfach alles, das bisherige wird in Frage gestellt und ich konnte schon so oft beobachten, dass die Eltern nach Veränderung FRAGEN! Was muss ich beachten? Was muss ich tun? Was KANN ich tun? Wenn also hier schon an Kinder, Jugendliche und Eltern gezielter herangegangen wird, bin ich der festen Überzeugung, dass sich auch ernährungstechnisch etwas verändern kann.

Liebe Leser, wir alle wissen, dass der oben beschriebene Tag vielleicht etwas überspitzt dargestellt ist. Aber es soll auch nur zum Nachdenken anregen. Auch bei uns hat die Playstation nicht vor unserer Kinderzimmertüre Halt gemacht und auch bei uns gibt’s den beliebten „Chillmodus“ – vielleicht darf ich genau aus diesem Grund offene Worte wählen.

Ich fordere eine bessere Aufklärung in Kitas und in Schulen, nicht nur was den Zuckerkonsum angeht! Es dürften meiner Meinung nach in Schulen gar keine ungesunden Lebensmittel angeboten oder verkauft werden.

Eure

Heike Steck / Ressort Jugend und Familie